Feinheiten

Vor kurzem habe ich einen schönen Beitrag im Blog von Adaptive Path gelesen, über den In-Between Stuff, also die Feinheiten einer Anwendung, die die Bedienung erst so richtig rund machen. Unbedingt lesen! 🙂

Es geht darum, dass wir uns beim Gestalten einer Website zu sehr nur um die Features kümmern. Features sind die Dinge, mit deren Gestaltung wir die meiste Zeit verbringen, mit denen wir unseren Usern die Nutzung unserer Website schmackhaft machen. Aber Features können kopiert werden und verlieren dadurch an Originalität.

Was aber viel schwerer zu kopieren ist, ist die Erfahrung, die ein User bei der Nutzung einer Site macht. (User Experience) Adaptive Path nennt es auch den Charakter einer Anwendung. Schönes Beispiel:

You can make a Windows machine look and kind of act like a Mac with some effort, but it isn’t going to work exactly like one. Why? Because of the in-between stuff, the little moments that make a Mac a Mac and a Windows OS a Windows OS.

Es geht um Übergänge, um Prozesse, um die Interaktionslogik und wie alles zusammen passt. Und um die Einbettung der Features in der restlichen Umgebung der Seite. Wie oft landet man z.B. nach dem Anfordern eines vergessenen Passwortes nicht auf einer Seite mit Login-Feldern. Oder eine eMail enthält keinen Deeplink zur entsprechenden Seite, auf die verwiesen wird. Schönes Beispiel sind auch immer die Confirmation-Seiten. Wir geben dem User das Feedback, dass beispielsweise ein Formular abgeschickt wurde oder die Eingaben gespeichert wurden, aber wir bieten ihm nichts für seinen weiteren Weg, den er als nächstes auf der Seite einschlagen könnte.

A propos Feedback … in Bezug auf AJAX begegnen mir in letzter Zeit auch immer wieder Seiten, die nach dem Klick auf einen Button gar kein Feedback (z.B. „Ihren Daten wurden gespeichert“) liefern. Der User verbleibt auf der gleichen Seite und weiß nicht, ob seine Aktion nun ausgeführt wurde oder nicht. Oder das Feedback erscheint an einer ganz anderen Stelle der Seite und der User sieht es nicht, weil sein Blick an der Stelle des Mauszeigers (also da wo der Button ist) verweilt. Auch sehr schön sind z.B. Checkboxen, die aber keinen Speichern-Button bieten. Ok, durch AJAX können die Eingaben auch ohne expliziten Klick auf einen Button gespeichert werden, aber weiß das der User?
Ich würde jetzt auch gerne auf eine Blogbeitrag verweisen, der ein sehr tolles Beispiel einer richtig schönen Sackgasse zeigte, aber ich finde ihn leider nicht mehr. 🙁

Ich komm nicht drumrum bei Kopien, die den Charakter nicht mitkopieren, an StudiVZ zu denken. 😉 Im Vergleich zu Facebook sind mir in der Bedienung schon unglaublich viele Kleinigkeiten aufgefallen, die bei Facebook einfach besser funktionieren. Keine Ahnung, ob das am schlechten Kopieren liegt, oder daran, dass Facebook weiterentwickelt und optimiert wird. Dabei meine ich z.B. das Hinzufügen von neuen Kontakten aus einer Liste von Usern. Bei Facebook bleibt man in der Liste, added den Kontakt mit einer AJAX-Funktion und kann anschließend entscheiden, ob man weiter in der Liste scrollt oder aufs Profil des neuen Kontaktes klickt. Bei StudiVZ springt man auf eine Extraseite und landet danach auf der Liste der eigenen Kontakte. Die vorher aufgerufene Liste muss man wieder neu suchen.

Design is in the details.

Adaptive Path: The In-Between Stuff Matterns 

Eine Antwort auf „Feinheiten“

  1. Danke für den Beitrag. Dinge die einem unbewusst zwar klar sind, ausgesprochen zu lesen, ist immer wieder gut.

    Als besonders gutes Beispiel für die kleinen Dinge, die das Leben leichter machen, könnte man auch die Funktion von Mac OS X nennen, Dateien in Fenster reinzuzuziehen. Beispielsweise aus dem Finder in iChat oder in die Mail Application. Ebenso funktioniert das bei Einträgen in DevonThink oder MacJournal, die sich beim Ziehen in text- oder rtf-Dokumente verwandeln. Zieht man hingegen die Datei in ein Textfeld oder eine reine Textdatei, steht hier an Stelle der Datei ihr Pfad.

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