Mal wieder die Sache mit der Privatsphäre

Dass fehlende Regler für die Privatspäre nach hinten losgehen können, kennt man ja von Facebooks News-Feed-Geschichte und man sieht’s auch jetzt gerade wieder bei der Beacon-Diskussion, bei der Facebook nun auch wieder Zugeständnisse macht.

Nun sehe ich gerade aktuell wieder, dass solche Lehrstücke immer noch getrost ignoriert werden und die User auf die Barrikaden gehen. Eins.de hat die Profilseite (relativ banal) überarbeitet, von einer langen Seite zu einer über eine Reiternavigation verteilte Seite. Ob das nun so viel Vorteil bringt, wenn man nun erst einen Reiter anklicken muss um dann auf den Link „Alle anzeigen“ statt sich erst einen Überblick verschaffen zu können, bevor man auf „Alle anzeigen“ klickt, sei mal dahin gestellt. Aber Klicks sind auf einer Plattform mit Werbung eben wichtiger als die User. ;)

profileins.jpg

Zwei kleine aber feine Unterschiede

Allerdings hat das neu geordnete Profil zwei kleine Unterschiede zum bisherigen. Jetzt kann man sich alle Beiträge, die ein User jemals im Forum, unter Fotos oder unter Nachrichtenartikeln geschrieben hat, anzeigen lassen. Bisher waren es immer nur die 5 letzten. Und man sieht jetzt auch die komplette Buddyliste, vorher waren es nur 5 zufällig ausgewählte Buddies, die angezeigt wurden.

Was passiert nun?

Manchen finden es gut, andere sind strikt dagegen und beschweren sich lautstark, z.B. in einem Offenen Brief an eins.de. Nun könnte man glauben, dass in Zeiten von Social Networks es als völlig normal angesehen wird, dass man die Buddies offen sieht. Allerdings ist es wohl ein Unterschied, wenn man bei seiner Registrierung davon ausgeht, dass nicht alles offen sichtbar ist.

Die ungefragte Öffentlichmachung der kompletten Buddieliste jedes einzelnen, wird von den Usern als entblößenden Eingriff in die Privatsphäre empfunden und sollte schnellstmöglich rückgängig gemacht werden.

Das andere Problem ist, dass es nicht jeder mag, dass man nun alle Kommentare zurück bis zum allerersten angezeigt werden kann.

ich habe meine gründe wieso ich einfach nicht möchte, dass man meine KOMPLETTEN einträge bis zu meiner anmeldung hier zurück verfolgen kann!!!!
wenn ich früher gewusst hätte, was in ein paar jahren hier mal gemacht wird, dann hätte ich mich wesentlich mehr zurück gehalten, mich hier nicht ausgelebt.

Wie gesagt, es gibt viele, die die Neuerungen gut finden, aber auch einige (keine Ahnung wie viele, aber gefühlt sind es schon einige) eben auch nicht. Und die treten nun eine heftige Diskussion in der Community los.

Kommuniziert wurde das ganze anfangs nur über einen Blogbeitrag (die Kommentarfunktion wurde wohl bewusst ausgeschaltet;), erst zwei Tage später wurde eine Nachricht an alle User verschickt. Warum wird das nicht vorher gemacht? Fragen sich auch einige User im Forum …

Kleines Kuriosum am Rande … Gäbe es ordentliche Einstellungen zur Privatspäre, könnte ich diesen Blogbeitrag gar nicht lesen, da mich der Autor schon vor einiger Zeit auf die Ignore-Liste gesetzt hat. ;)

Was fehlt? Die Einstellungen zur Privatspäre

Klar kann man es nie jedem einzelnen recht machen, aber man kann die Panik zumindest ein wenig eindämmen, und zwar in dem man Einstellungsmöglichkeiten für die Privatspäre anbietet – und das auch deutlich macht.

Und dieser Meinung sind auch die User:

ich finde es nicht io man sollte vorher gefragt werden!!!

naja man kann es ja gerne lassen wäre aba schön wenn es eine möglichkeit gebe.. das so zu schalten das nur jeder das zeigt was er wirklich möchte..

dennoch habe ich zb bei studivz und auch bei myspace die alleinige entscheidung wer bei mir auf das profil gehen kann und wer nicht. bei anderen würde ich mich gar nicht anmelden.

Privatspäre im Vergleich

Was gibt es denn derzeit bei Eins.de an Einstellungen?

privacyeins.jpg

Das ist nicht viel! Der erste Satz scheint wohl zu bedeuten, dass dann nur die eigenen Buddies die Buddyliste sehen können. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass es bedeutet, dass nur Buddies angezeigt werden, und nicht auch Leute, die mich (einseitig) als Buddy betrachten.

Zusätzlich gibt es noch eine Ignore-Liste.

Im Vergleich dazu mal die Einstellungen des vermaledeiten StudiVZ, das man nicht unbedingt als Vorbild nehmen sollte:

studivzprivatsphare.jpg

Immerhin kann man hier einstellen, wer das eigene Profil sehen darf, und auch, wer die Freunde sehen darf. Und noch einiges mehr …

Wobei man StudiVZ noch zugestehen muss, dass sie den Link zur Privatspäre sehr pominent in der Hauptnavi platziert haben!


Gehen wir mal weiter zu Facebook:

facebookprivacy.jpg

Nun kann man jeden dieser Punkte anklicken … Beispielhaft habe ich mal den Punkt Profile genommen, alle anderen auch zu zeigen wäre mir zu viel Arbeit. ;)

facebookmyprivacy2.jpg

Am Ende habe ich es mal abgeschnitten, da die Länge der Seite von der Anzahl der Applications im Profil abhängt, und ich hab davon sehr viele drin. ;)

Alles in allem bietet Facebook die wohl umfassendesten Möglichkeiten, seine Daten zu zeigen oder zu verstecken. (Habe auch sonst noch kein Social Network mit so vielen Einstellungen gesehen, daher spare ich mir weitere Screenshots;) Man hat bei Facebook wohl aus dem News-Feed-Desaster gelernt. Aber leider auch nur solange, bis Beacon kam. Machen die das jetzt zur Methode? Aufruhr und Buzz erzeugen als PR-Maßnahme? Ich befürchte eher, dass das Vertrauen der User dadurch mehr leidet als die PR aufwiegen kann.

PS: Die Zitete stammen alle aus dem Eins.de Foren und Blogs. Leider gibts zu den einzelnen Beiträgen keine Permalinks.

Nachtrag 2.12.: Der erste Punkt in den Privatsphäre-Einstellungen wurde jetzt wie folgt  angepasst:

neuinprivacy.jpg

Nicht gerade sehr differenziert, aber immerhin eine Reaktion.

7 Gedanken zu „Mal wieder die Sache mit der Privatsphäre

  1. marcel weiß

    Facebook hat die mit Abstand ausdifferenziertesten Einstellungsmöglichkeiten zur Privatsphäre, leider ist es nicht gerade intuititiv. Finde ich zumindest.

  2. Pingback: Schlimmer geht’s immer | marco kitzmann | journalist. blogger.

  3. xenon

    Mal ne ganz andere Frage: Ist die Aussage „Singlestatus: Verrate ich nicht“ nicht praktisch mit „Bin Single“ gleichzusetzen ?

    Wenn ich die nervigen Anfrager nicht will wähle ich einfach „Nein“, oder? Was soll also diese nebulöse Auswahloption ?

  4. Tobias

    PS/OT: Kann es sein, dass du in deinen RSS-Einstellungen angegeben hast, dass nur ein Teil des Artikels eingebaut werden soll? — Ich fände es sehr praktisch, wenn man alles lesen könnte! Sonst verpasse ich nachher noch etwas und auf deine Website gehe ich trotzdem noch oft genug ;-)

    PS/OT2: Diese „Editier deinen Kommentar noch X Minuten“-Sache ist zwar sehr fancy, hat aber gerade nicht funktioniert sondern meine Änderungen gelöscht… =(

  5. paulinepauline

    ich glaube, das kommt daher, weil ich seit neuestem bei langen beiträgen einen „more“-absatz einbaue. dadurch werden die beiträge auf der blog-startseite nicht so lang dargestellt.

    hm, doof, dass es deine änderungen gelöscht hat, das tut mir leid! bei mir funktionierts problemlos. ka, woran das nun lag. ist halt auch nur ein plugin …

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