Kleines Usability-Rätsel auf ZDF.de

Seit einem halben Jahr erstrahlt die Website des ZDF in neuem Glanz … und seit dem habe ich Schwierigkeiten, Informationen zu den einzelnen Sendungen zu finden. Neben der Navigation im Allgemeinen verwirren mich Sendungs-Detailseiten wie diese:

Die große Frage lautet nun: Wo muss man klicken, wenn man Text-Informationen zu dieser Sendung lesen will? Also eine Inhaltsangabe z.B.

Na? Wo würdet ihr klicken? Wer es selbst auf der ZDF-Seite rausfinden will liest erstmal nicht weiter. ;)

Ich habe es jedenfalls ein halbes Jahr lang nicht geschafft, den Weg dorthin zu finden. Deshalb musste ich heute mal meckern:

Und dann kam die große Auflösung vom ZDF:

Also jetzt mal ehrlich: Wer erwartet hinter einer Uhrzeit in einem orangenen Kreis die Inhaltsangabe???

Warum das ganze nicht funktioniert:

  • So wie die Seite aufgebaut ist, stehen alle inhaltlichen Informationen in dem grauen Kasten. Genau dort erwartet man einen zusätzlichen Link zur textlichen Inhaltsangabe.
  • Die Uhrzeit im orangenen Kreis (hoheitsvoll EPG genannt) ist nicht als Link gekennzeichnet. Alle anderen Links im Kreis haben einen Pfeil als Link-Kennzeichnung. Man kommt also gar nicht erst auf die Idee, es mit einem Klick auf die Uhrzeit zu versuchen.
  • Im grauen Kasten gibt es einen Hover auf der Headline, was in der Regel einen Link kennzeichnet. Leider kann man dort aber nicht klicken, was dann auch wieder für Verwirrung sorgt.

Nun ja, wenigstens bin ich nicht die einzige, die damit Probleme hatten. :)

Die Unterhaltung ging noch munter weiter, aber ich werde es hier mal dabei belassen.

Formular-Fundstück: So spart man sich die Rückrufe

In dem Wort „Rückruf-Service“ steckt zwar das Wort „Service“ drin, wer aber nur so tun will, als biete er diesen Service an, muss nur solch ein Formular anbieten:

Liebe DAK, wenn du nicht willst, dass man einen Rückruf anfordert, dann lass doch einfach die Funktion weg! Denn in dieser Form macht das keinen Spaß. Und zwar in mehrfacher Hinsicht:

Benutzerfreundlichkeit

Den Nutzer, der gerne Formulare ausfüllt, muss man mir mal zeigen. Hätte ich das Formular nicht schon selbst ausgefüllt, ich würde mich fragen, wer so doof ist, sich dieses lange Formular anzutun. ;)

Datensparsamkeit

Ich zitiere mal aus Wikipedia: Die Grundidee der Datensparsamkeit „ist, dass bei der Datenverarbeitung nur so viele personenbezogene Daten gesammelt werden, wie für die jeweilige Anwendung unbedingt notwendig sind.“ Und wie viele Daten sind für einen Rückruf notwendig? Genau! Die Telefonnummer. Sonst nix. Ok, damit sich der Rückrufende ein wenig vorbereiten kann, ist bei Mitgliedern die Mitgliedsnummer sicherlich sinnvoll, der Name vielleicht auch noch.

Uneindeutige Angaben zu Pflichtfeldern

Über dem Formular steht der Satz: „Alle mit einem * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden. Ein Absenden ist sonst nicht möglich.“ Und unter dem Formular steht „Alle Angaben sind freiwillig.“ Eindeutig ist das nicht. ;)

Nutzung der Daten

Obwohl man ja nur einen Rückruf wünscht, werden die Daten wahrscheinlich zu Marketing-Zwecken genutzt, denn unter dem Formular findet sich noch der Satz „Ihre Angaben werden zu Informations- und Beratungszwecken bis auf Widerruf gespeichert und genutzt.“ Eine Adresse für den Widerruf muss man sich selbst suchen. :(

Umsetzung in der Praxis

Auch das schönste Formular lohnt sich nicht, wenn nie jemand zurückruft. Wie oben schon erwähnt, habe ich wirklich alles ausgefüllt … und dann vergeblich auf einen Rückruf gewartet.

Neues Formular-Design für Android

Seit kurzem gibt es endlich Design Guidelines für Android. Sie basieren auf dem neuen User Interface und Design, das mit der neuen Android-Version „Ice Cream Sandwich“ auf die Handys kommt. Mal abgesehen von den Vorteilen, die solche Guidelines generell bringen, bietet die diese hier viele gute Ansätze, aber auch ein paar seltsame, die ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Eines davon ist die Formulargestaltung. Daher hier mal ein Vergleich der neuen und alten Formulare.

Beispiel: Formular „Neuer Termin“ in „Google Calendar“

Links sehen wir das neue Formular-Design und rechts das alte.

Ich halte das linke Formular für kein gutes Interaktionsdesign. Genau genommen sieht man nur Text und Linien. Um die unterschiedlichen Eingabemöglichkeiten zu erkennen, muss man schon genau hinschauen und vor allem mitdenken. Was ist ein Eingabefeld, was ist ein Button und was ein Dropdown oder eine sonstige Funktion? Ok, es gibt kleine Dreiecke, die eine Interaktion andeuten, aber warum muss das so weit entfernt jeglicher Konventionen für Interaktionen sein? Zudem kann man nur anhand der Schriftfarbe erkennen, ob der Text, der bereits im Formular drin steht, eine Vorbelegung ist, oder nur eine Hilfestellung dafür was man reinschreiben soll. Und manche Eingabefelder haben ein Label drüber stehen, andere nicht.

Gut, im rechten Formular ist ein Button vielleicht auch nicht die beste Form, um die Interaktion „Datumsrädchen anzeigen“ darzustellen, aber sie ist immerhin sichtbar und leicht erkennbar. Auch könnten die Umrandungen der Eingabefelder etwas deutlicher sein, um sich gegen die Trennlinien besser abzusetzen. Aber alles in allem ist das ein gut erkennbares Formular.

Mein Fazit: So hübsch das neue Formular sein mag, so wenig Usability-orientiert ist es. Jetzt kann man nur hoffen, dass sich nicht alle App-Designer an diesen Formularen orientieren.