Usability – oder “Wer Lesen kann, ist klar im Vorteil…”?
Ist das nicht ein schrecklicher Satz? Ich lese zwar auch alles andere als aufmerksam, aber ich kann diesen Satz einfach nicht mehr hören. Und ganz heftig aufgestoßen ist mir dieser Satz heute mittag, als ich das Blog von openPeople.de überflogen habe.
openPeople ist ein klassisches “Sechs-Ecken”-Social Network, in das ich heute einen Blick werfen durfte, weil ich eine exklusive Einladung erhalten haben. *oho* Muss mich wohl irgendwann vor langer Zeit mal dafür angemeldet haben … kann mich nicht dran erinnern, aber ich erfreue mich an dem schönen Satz in der eMail:
“Du hast Dich auf www.openpeople.de dafür beworben, eine Einladung für unsere Community zu erhalten und wurdest über unsere tägliche Ziehung aus dem “Pott” gezogen.”
Zurück zum eigentlichen Thema: “Wer Lesen kann, ist klar im Vorteil…” ist die Headline eines Blogbeitrags, in dem es darum geht, dass viele Leute Supportanfragen stellen, weil sie nicht wissen, wie sie ihren Account löschen können.
Rene Glembotzky schreibt:
Dabei steht dies ganz klar und deutlich in den Nutzungsbedingungen:
- Posteingang und -ausgang löschen
- Galeriebilder entfernen
- Freundschaften kündigen
- evtl. Nachfolger für den eigenen Klub suchen
- Mail an den Support schreiben
Ganz schön viel Aufwand, um sein Profil zu löschen. Das einzige was mir nachvollziehbar erscheint ist, dass man einen Nachfolgerfür einen Klub suchen soll. Weiter im Text:
Was ist denn an diesen wenigen Punkten so schwer verständlich? Gibt es so viele Menschen, die sich bei Internetseiten anmelden oder im “wirklichen Leben” Verträge unterschreiben, ohne vorher die Nutzungs- oder Vertragsbedingungen zu lesen?
Nicht die Punkte an sich, sondern der Ort, an dem sie versteckt sind! Ich würde sagen: Kein Mensch liest Nutzungsbedingungen! Wozu auch? In der Regel stehen dort immer wieder die gleichen Phrasen drin. Das mag blauäugig von mir sein, oder ich registriere mich einfach zu häufig, als dass ich noch irgendwelche Bedingungen durchlese. Und wenn, dann liest man die bei der Registrierung. Bis zum Löschen des Accounts ist normaler Weise ein wenig Zeit verstrichen und niemand erinnert sich mehr, was er mal in den Nutzungsbedingungen gelesen hat. Außerdem sind Nutzungsbegingungen wie der Name schon sagt “Bedingungen” und keine Anleitungen.
Wenn ich Hilfe brauche, dann suche ich nach einem Hilfe-Link oder nach FAQs. Dort erwartet man in der Regel solche Informationen. Wenn es nicht sowieso einen Button “Account löschen” gibt. Weiter im Text:
Wir haben vor einigen Monaten eingeführt, dass wir unsinnige Supportanfragen nicht mehr beantworten, da die meisten Funktionen bei openPeople selbsterklärend sind oder klar und deutlich ausgedrückt auf der Website stehen.
Dazu gehört auch, dass wir nicht auf Löschanfragen reagieren, bei denen diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Nur so haben wir die Möglichkeit, dauerhaft kostenlos zu bleiben, obwohl die Kosten steigen.
Das hier ist genau der Part, der mich dazu veranlasst hat, diesen Blogbeitrag zu schreiben! Für mich ist dieses Verhalten von Community-Betreibern ein Unding! Bei der Community-Betreuung zu sparen ist beim Betreiben einer Community meiner Meinung nach die allerfalscheste Stelle!
Wenn ein User auf eine Support-Anfrage keine Antwort erhält, ist er verärgert und im schlimmsten Falle fängt er an, auf der Plattform selbst darüber zu meckern! Negatives Word-of-Mouth sozusagen.
Nächster Punkt: Wenn ein Betreiber behauptet, die Funktionen wären selbsterklärend oder klar und deutlich ausgedrückt, dann halte ich das für Selbstüberschätzung und für fehlendes Usability-Denken. Als Betreiber hat man die Plattform selbst aufgebaut und weiß, wo sich alles befindet und wie alles funktioniert. Der User geht mit einem ganz anderen Verständnis ran und muss mit dem zurecht kommen, was der Betreiber für den richtigen Weg hält.
Wenn ein User, oder insbesondere mehrere User, etwas nicht verstehen oder finden, dann liegt das nicht an deren Dummheit, sondern an der mangelnden Bedienbarkeit der Website. Und gerade Supportanfragen sollte man als Grundlage zur Überprüfung der Usability nutzen. Denn daran lässt sich prima ablesen, womit die user Probleme haben.
Dass man eine Website nie 100% benutzerfreundlich gestalten kann, ist klar. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das, was man selbst konzipiert hat und daher für total logisch und nachvollziehbar hält, manchmal von den Usern partout nicht verstanden werden will. Die logische Konsequenz ist: ändern!
Ich habe schon einige Usability-Tests vorbereitet, durchgeführt oder zumindest die Ergebnisse gesehen. Und es ist schon manchmal verwunderlich, an welchen Stellen die Leute hängen bleiben. Aber der User ist nunmal der König und die wichtigste Person in dem ganzen Spiel. Für ihn ist das Angebot gestaltet, er muss (soll) es benutzen und er muss es verstehen. Da darf man sich als Konzepter oder als Betreiber nicht als unfehlbar einschätzen und muss auch mal in den sauren Apfel beißen und von den eigenen Vorstellungen abrücken.
Man kann auch mal genervt sein, wenn der hundertste zwanzigste fünfte die gleiche Frage stellt, dann aber bitte nicht im Blog ausk*** und die User vergraulen, sondern die richtigen Schlüsse daraus ziehen!
Den Usern mangelnde Lesebereitschaft vorzuwerfen, halte ich jedenfalls für einen ganz falschen Ansatz! Und dieser Blogbeitrag sagt mir deutlich, dass openPeople Leute für dumm hält, die Supportanfragen stellen.

Eieiei.. ganz harter Stoff! Kann man sich als Betreiber einer Webseite wirklich noch blöder verhalten, als seine Leute mit derartigen Weblog-Eintragen zu vergraulen? Da scheint jemand das Prinzip des User-centered Design noch nicht ganz verstanden.
Aber immerhin bezieht Herr Glembotzky mit seinen Worte eine klare Stellung und signalisiert mir: “Bitte melde Dich bei uns nicht gar nicht erst an, sonst haben wir hier nachher noch Stress mit Dir!”
Ich habe meinen Account recht schnell wieder löschen lassen… allerdings musste ich erstmal rausfinden wo man freundschaften kündigt. An den stellen wo ich zuerst gesucht hab, war es jedenfalls nicht. Immerhin kam dann die Mail:
“wunschgemäß hat unser Support Dein openPeople Konto gelöscht.
Es wäre schön, wenn Du uns mitteilen könntest, warum Du Dich bei uns abmelden wolltest. Nur so haben wir die Möglichkeit, zukünftig etwas für die anderen Benutzer zu verbessern…”
Auf den letzten Punkt will ich jetzt mal nicht eingehen…
Ich hab mich angemeldet und dachte mir: “och, warum nicht… noch so ne Seite”. Aber nachdem ich nicht gefunden hab, wo ich mich abmelde, hat mich das schon etwas genervt… gut, au ned so wild, aber dann hab ich den Link zu besagtem Blogeintrag bekommen und dachte, ich les nicht richtig.
Ich bin vielleicht auch etwas blauäugig was Nutzungsbedingungen angeht, aber ich lass mich nicht als so dumm hinstellen. Und das is wirklich die erste Seite, wo abmelden so umständlich war…
Immerhin ging die Abmeldung recht schnell (kaum die Mail geschickt, war die Rückmail da).
Die Seite war wirklich nicht sonderlich intuitiv (is für mich immer ein Kriterium). Aber sich dann anzuhören, dass ich ned lesen kann und den Support ned nerven soll… super… User ist König! Auf der Seite eher nicht…
ein fehlender abmelden-button wird ja oft bemängelt und ist auch selten zu finden. das kann absicht sein (es soll sich blos keiner abmelden), muss aber nicht. ich muss nämlich zugeben, dass ich bei ner website selbst schon mal schlichtweg vergessen hab, einen einzubauen. *schäm*
“Wenn ich Hilfe brauche, dann suche ich nach einem Hilfe-Link oder nach FAQs.”
Exakt. Wenn oft Anfragen zum gleichen Thema kommen, dann gehört das leicht erklärt in die FAQ und nicht in einen Blogeintrag, in dem die eigenen Nutzer beschimpft werden.
Ziemlich unfassbares, unprofessionelles Verhalten da.
Mal davon abgesehen, dass es auch ein starkes Stück ist, von den Usern zu verlangen, dass sie quasi händig alle ihre Spuren selbst von der Seite entfernen.
Für jemand der seine Seite auf user generated content aufbauen will, ganz schön userunfreundlich..
(p.s. Silke, schaff Dir mal bitte ein comments-per-email-abonnieren-plugin hier an :))
@marcel: ay ay sir! ;) hab mich bisher noch nicht mit plugins beschäftigt, aber ich werd mich mal drum kümmern! :)
ich meld mich erst gar nicht an – gibt soviele netzwerk-plattformen, da kann ich auf die eine sicherlich verzichten. :)
hab gerade selber 2 wochen gebraucht um aus dem verein hier rauszukommen und ja ich möchte keinen dank aun den support aussprechen weil man bekommt eh keine antworten.
da gelobe ich mir andere user die ihre tipps in einem blog schreiben
herzlichst M-t-R
huhu leute!also ich habe jetzt alles befolgt,um mein profil inaktiv zu schalten,nur irgendwie passiert niks…
habt ihr die email adresse von openpeople?dann schick ich da noch ne mail hin…weil dieser service&support funktioniert ja mal gar nicht…*grrmml*
liebe grüße
juhu, ich habe auch probiert meinen Account zu löschen bzw. bei open people löschen zu lassen. Ich habe sämtliche Dinge befolgt, damit die mich endlich löschen. Mittlerweile habe ich dreimal eine Nachricht an die Betreiber gesendet, was denn noch gemacht werden muss, damit ich endlich gelöscht werden kann….aber nichts…keine Reaktion geschweigedenn eine Löschung meines Accounts. Das gibt es nicht!!!
Mittlerweile weiß ich nicht mehr was ich noch anstellen soll. Habt ihr eine Idee?
liebe Grüße