Toyota und das ungewollte Crowdsourcing

Martin Oetting schreibt in seinem Artikel „Kollektive Intelligenz vs. Crowd-Competing: Designs für SonyEricsson“ im letzten Absatz:

Ob es dagegen eine gute Idee ist, wirklich komplexe Produkte und Projekte (ein Auto beispielsweise) in einem dezentralen kollektiven Prozess zu entwickeln, möchte ich momentan eher noch bezweifeln.

Dadurch fiel mir ein Artikel ein, den ich vor etwa einem Jahr mal gelesen hatte: „Die Heimwerkerkönige“ aus dem Magazin fluter, März 2006. (Hab’s glücklicherweise auch als PDF-Variante gefunden – Seite 43)

In dem Artikel geht es um den Prius, das Hybrid-Auto von Toyota, das in den USA gerade der große Renner ist, weil Brat Pitt, Cameron Diaz, Julia Roberts und viele andere Hollywood-Stars dieses Auto fahren. In Kalifornien gibt es allerdings auch Menschen, denen dieses Auto noch nicht umweltfreundlich genug ist, die mit ihren Vorschlägen Anfangs bei Toyota allerdings nicht weit kamen und daher selbst Hand anlegten und die Autos umweltfreundlicher bastelten.

Toyota war davon erst nicht sonderlich angetan:

Toyotas offizielle Reaktionen waren anfangs nicht ganz so positiv. Der Konzern bemerkte säuerlich, man könne keine Garantie auf derart umgebaute Wagen geben.

Die Bastler beeindruckte das allerdings wenig und mittlerweile sieht’s wohl so aus:

Lobende Worte hat Toyota neuerdings auch für Menschen wie Felix Kramer, die ihren Prius auf eigene Faust umrüsten. „Wir verstehen das als Ausdruck des amerikanischen Erfindungsreichtums“, erklärt Knight. „Das individuelle Umbauen von Autos hat hier zu Lande Tradition.“ Aus rechtlichen Gründen könne ihre Firma Verbraucher nicht zu derartigen Dingen ermuntern. Doch einige der Toyota-Ingenieure würden sich intensiv mit den Hobbybastlern austauschen. „Sie sind sehr gewitzt und sehr engagiert“. […]
Autohersteller, die sich von Bastlern in Sachen Umweltschutz inspirieren lassen: Das ist neu. Bisher kamen derartige Impulse
stets vom Gesetzgeber. […]
Jetzt scheinen Verbraucher und Bastler den Gesetzgeber zu überholen. So bekommt Toyota vermehrt E-Mails und Anrufe von Konsumenten, die gezielt nach umweltfreundlicheren Technologien fragen, berichtet Cindy Knight. „Sie sagen uns, was sie kaufen wollen und was wir produzieren sollen.“ Glaubt man Felix Kramer, dann hat die Branche diese Nachhilfe auch dringend nötig. „Die meisten Autohersteller fällen schlechte Entscheidungen“, meint er. „Deshalb geht es ihnen auch so miserabel.“ Cindy Knight indes verspricht Besserung: „Wir freuen uns über jedes Feedback.“

Ist das nicht Crowdsourcing? Oder Mitmach-Autoentwicklung? Oder Automobilbau 2.0? ;) Ok, ein Auto wie OScar komplett über Crowdsourcing zu entwickeln ist sicherlich nochmal ne andere Sache, als ein bestehendes Konzept zu verbessern. Aber Mitmachinteresse scheint da zu sein. Und auch zum Loremo, den Robert Basic letztens schon aufgegriffen hatte, werden fleißig Varianten diskutiert.

Ist es übrigens nicht auch Mundpropaganda, wie der Prius in den USA gerade Mode ist und ein Star nach dem anderen sich einen Prius zulegt? Und wie die Mode von den Stars auf die Massen übergreift? Was der Prius noch alles ist und welche Bewegung er anführt, kann man in einem der typischen Artikel nachlesen, wie sie jedes Jahr in Zusammenhang mit der Oscar-Verleihung aufploppen, wenn noch mehr Stars im Prius vorfahren. ;)

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich den Toyota Prius total klasse finde? Falls jemand meinen Wunsch erfüllen möchte … oder noch besser, ihn mir direkt schenken möchte … … bitte gerne! Ich weiß auch, wo es ihn am günstigsten gibt, und ich kann auch gleich dazu sagen, dass der Gebrauchtwagenmarkt recht mager aussieht! ;)

PS: Über den Sinn und die Umweltfreundlichkeit von Hybrid-Autos muss man mit mir nicht diskutieren. Davon hab ich keinen Plan. ;) Ich find das Auto einfach nur toll, auch wenn Martin mich deswegen für dumm halten mag. ;)

4 Gedanken zu „Toyota und das ungewollte Crowdsourcing

  1. Gucky

    Ich frage mich, wieso es solche Autos nicht längst gibt ?
    Das technische Knowhow scheint ja da zu sein.
    Ich meine, solche wie den Loreno.
    In Zeiten immer teurerer und knapper werdenden Rohstoffe (z. B. Erdöl) ist so ein Auto doch das Nonplusultra ?
    Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund „Umweltschutz“, Klimakatastrophe etc.

  2. Martin Oetting

    Das ist relativ einfach: die Forderung nach solchen Autos aufzustellen, ist immer recht einfach. Solche Autos als Designstudien vorzustellen auch. Aber diese Autos dann wirklich FERTIG zu entwickeln, so, dass sie crash-sicher sind, dass sie alle anderen Bestimmungen erfüllen und die hohen Erwartungen der heutigen Kunden an Autos erfüllen und WIRKLICH zugelassen werden können, erfordert RICHTIG viel Geld. Dreistellige Millionenbeträge. Und das ist keine Übertreibung. Das können nur die großen Konzerne, denn unsere Erwartungen an die Leistung, Haltbarkeit und Verlässlichkeit von Autos sind mittlerweile enorm hoch. Aber die wichtigste Schwelle ist damit noch immer nicht genommen. Man muss dann auch noch Käufer finden… Und auch wenn auf Blogs oder in Foren gern mal über so ein Auto geschwärmt wird, gibt es am Schluss doch nicht die vielen Tausende, die man bräuchte, um die Investments wieder reinzuholen. Denn gerade ein Autohersteller, der klein anfängt, wird die Autos erstmal sehr teuer machen müssen…

    VW hatte mit dem 3Liter-Lupo und vor allem mit dem Audi A2 3-Liter zwei solcher Autos im Programm. Insbesondere der A2 war ein super Auto, ich habe selber einen (allerdings nicht die 3-Lister-Version), mit Platz für 4 Leute, Vollaluminiumkarosserie, und 3 L Spritverbrauch. Aber der hat sich einfach nicht verkauft…

    Und PaulinePauline, natürlich finde ich Dich nicht ‚dumm’… ;-) Das sollte doch nur eher polemisch meinen Gedanken auf den Punkt bringen… ;-)

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